Unter NLP versteht man eine Sammlung von hochwirksamen Werkzeugen und Konzepten zur persönlichen Veränderung und Kommunikation. NLP wurde von John Grinder und Richard Bandler Anfang der 70er Jahre in Kalifornien entwickelt. Seitdem wurde es von verschiedenen Menschen weiterentwickelt (Robert Dilts, Steve Andreas, Leslie Cameron-Bandler, Judith DeLoizer, Stephen Gilligan, um nur einige wenige zu nennen) und hielt Einzug in verschiedenste berufliche Felder. So wird es heute mit seinen effektiven Interventionsmöglichkeiten in Therapie und Coaching genutzt und aufgrund seiner Konzepte für gelungene Kommunikation in Führung, Werbung, Präsentation und Training.
Was ist NLP?

Entstehung des NLP in den 70er Jahren

Um zu sagen was NLP ist, lohnt es sich, einen Blick in seine Entstehungsgeschichte zu werfen. NLP entstand Anfang der 70er Jahre an der Univeristy of Santa Cruz in Kalifornien. Der Student Richard Bandler leitete an der Universität zu diesem Zeitpunkt Selbsterfahrungsgruppen auf Basis der Gestalttherapie nach Fritz Perls. Bandler erwarb sich die Kenntnisse der Gestalttherapie, in dem er für den Psychiater Robert L. Spitzer viele Stunden Videomaterial von Fritz Perls transkribierte. Bereits nach kurzer Zeit erreichte Richard Bandler ähnliche therapeutische Erfolge wie Fritz Perls und bot erste Gestaltgruppen an der Universität an.
Damit Studenten an der Universität Kurse anbieten durften, benötigten sie einen Mentor, der sie supervidierte. Der Mentor für die Gestalttherapie-Gruppen von Richard Bandler wurde der Linguist und Transformationsgrammatiker John Grinder, der von nun an den Gruppen als Beobachter beiwohnte. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, die therapeutischen Prozesse zu analysieren, um ihre Wirkfaktoren benennen zu können. Hierzu nutzen sie zu Beginn vor allem die Transformationsgrammatik von Noam Chomsky als theoretische Grundlage für ihre Analysen und nahmen später weitere Aspekte, unter anderem den der nonverbalen Kommunikation, hinzu. Fortan gab Bandler einen Kurs, die Prozesse wurden von Grinder analysiert, so dass Grinder in einem weiteren Kurs das Resultat der Analyse nutzte um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Der Prozess, eine bestimmte Fähigkeit einer Person zu analysieren und danach für andere Menschen erlernbar zu machen wurde von Grinder "modeling of excellence" (zu deutsch: Modellieren von Herausragendem) genannt. Bandler und Grinder hatten somit das erste Mal therapeutische Prozesse, die zuverlässig zu einer Veränderung führen modelliert, was damals ein absolutes Novum war.
1972 vermittelte Robert Spitzer, der sehr angetan von Bandlers und Grinders Arbeit war, den Kontakt zu Virginia Satir, einer Pionierin der Familientherapie, ohne die die heutige systemische Therapie vermutlich nicht existieren würde. Bandler und Grinder entdeckten sowohl Übereinstimmungen mit Perls, in der Art und Weise, wie Virginia Satir ihre Sprache nutzte, als auch spezifische kommunikative Muster und Ansätze, in ihrer Interaktion mit Paaren und Familien.
Die Erkenntnisse, die Bandler und Grinder durch den Modellierungsprozess von Virginia Satir und Fritz Perls erlangten, verschriftlichten sie in ihrem ersten Buch. In "Die Struktur der Magie 1 - Metasprache und Psychotherapie" (erschienen 1975) erläuterten sie die modellierten Sprachmuster von Perls und Satir. Bis heute ist dieses Buch ein Klassiker der NLP Literatur. Das vorgestellte Sprachmodell, das Metamodell, ist ein wichtiges therapeutisches  Werkzeug und wesentlicher Bestandteil jeder NLP Ausbildung.
Im Jahr 1974 stellte Gregory Bateson Bandler und Grinder den Psychiater und Hypnosetherapeuten Milton H. Erickson vor. Milton H. Erickson gilt als Begründer der modernen Hypnotherapie und seine therapeutischen Ansätze waren so weitreichend, dass Therapierichtung wie die Hypnotherapie, Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie, NLP, Systemische Therapie, Aufstellungsarbeit und andere in der heutigen Form nicht vorstellbar wären.
Die Begegnung mit Milton H. Erickson war entscheidend, dafür, wie sich das NLP weiterentwickeln sollte. Bandler und Grinder analysierten Ericksons Art und Weise Sprache zu nutzen, um Trance zu induzieren. Das Resultat war das sogenannte Miltonmodell, welches eine maßgebliche Ergänzung zum Metamodell darstellt. Die Resultate dieses Sprachmustermodellings publizierten sie 1975 in dem Buch "Patterns: Muster der hypnotischen Techniken Milton H. Ericksons". Der Einfluss, den Milton H. Erickson auf Bandler und Grinder hatte ging jedoch über seinen Umgang mit Sprache hinaus. Erickson zeichnete eine enorme Experimentiertfreudigkeit im Umgang mit Menschen aus. Er experimentierte massiv mit nonverbalem Verhalten und hatte einen sehr pragmatischen Ansatz in Bezug auf Veränderungsarbeit. Sein Ansatz folgte dem Motto "Wenn etwas nicht funktioniert, mach etwas anderes".
Um Bandler und Grinder, die mittlerweile Vorlesungen und Workshops hielten, bildete sich im Laufe der Zeit eine Gruppe, die mit den Methoden experimentierte. Durch die Beschäftigung mit Milton H. Erickson, probierten und entwickelten sie nun kommunikative Ansätze, die über das bisher Modellierte hinausgingen, verwarfen was nicht funktionierte und entwickelten weiter, was gut funktionierte. In dieser Zeit verlagerte sich der Fokus vom verbalen Verhalten zum nonverbalen Verhalten. Inspiriert durch Erickson wurden hypnotisch, imaginative Verfahren in die bisherigen Konzepte integriert und das, was wir heute unter NLP verstehen, entstand. Es entwickelten sich Konzepte wie Ankern, Submodalitäten, Arbeit mit der Zeitlinie oder Persönlichkeitsanteile.
Die wirksamsten Mechanismen wurden in sogenannten Formaten zusammengefasst. Formate stellen einen Ablauf dar, den der Therapeut mit dem Klient durchläuft und der, richtig angewendet, zielgerichtet zur gewünschten Veränderung führt. Somit gab es zum ersten Mal in der Psychotherapiegeschichte erlernbare Abläufe zur zielgerichteten Veränderung. Etwas, was das NLP bis heute auszeichnet.
Seit den 80er Jahren bis heute wird NLP von verschiedenen Menschen konstant weiterentwickelt. Interessante neue therapeutische Richtungen, wie etwa die systemische Aufstellungsarbeit sind eng mit dem NLP verwandt und wurden ins NLP integriert. Einzelne Teile wurden aus dem NLP entnommen und als eigenständiger therapeutischer Ansatz weiterentwickelt. Das prominenteste Beispiel ist die bilaterale Hemisphärenstimulation mittels Augenbewegungen zur Aufarbeitung von Traumatisierungen, genannt EMDR.
Da NLP keine geschützte Marke ist, gibt es keinen allgemeinen Konsens darüber, was NLP nun genau beinhaltet und was nicht. Um eine Vergleichbarkeit und Qualität in der Ausbildung sicherzustellen, gibt es Verbände wie den DVNLP, ÖDV-NLP, INLPTA, IN und andere, die bestimmte Inhalte in ihren Curricula vorgeben und Ausbildungen zertifizieren.

Wesentliche Konzepte des NLP

Um eine Antwort auf die Frage "Was ist NLP?" zu bekommen ,lohnt es sich einige Konzepte zu betrachten, die dem NLP zugrunde liegen. Hier eine Auswahl wesentlicher Konzepte des NLP:

Metamodell:

Das Metamodell basiert auf der Annahme, dass wir alle eine vollständige Repräsentation der Erfahrungen, die wir gemacht haben, in uns tragen. Da die Informationsdichte dieser vollständigen Repräsentation enorm hoch ist und die Beschreibung dieser vollständigen Repräsentation sehr lange dauern würde (mit einer Tendenz gegen unendlich), vereinfachen wir diese in unserer Kommunikation.
Wir generalisieren bestimmte Erfahrungen (Frauen können nicht einparken und Männer können nicht zuhören), lassen Informationen weg, die wir als irrelevant betrachten (Ich bin heute mit dem rechten Fuß zuerst aus dem Bett gestiegen) und geben Ereignissen Bedeutung (Er hat mir keine Blumen mitgebracht, also liebt er mich nicht). Diese Modellbildungsprinzipien sind notwendig und sorgen dafür, dass wir mit der Informationsflut, die uns umgibt, umgehen können. Wir nutzen ein vereinfachtes Modell der Welt. Das führt aber auch dazu, dass wir ab und an Generalisierungen bilden, die nicht hilfreich sind, wichtige Informationen als irrelevant erachten oder Ereignissen Bedeutungen geben, die nichts mit dem Ereignis zu tun haben.
Das Metamodell ist eine Sammlung von Sprachmustern, mit denen wir dieses Modell hinterfragen können. Auf diese Weise können Generalisierungen, Tilgungen und Verzerrungen aufgedeckt und aufgelöst werden und eine ressourcevollere Sichtweise kann eingenommen werden.

Miltonmodell:

Das Miltonmodell basiert auf dem gleichen theoretischen Hintergrund wie das Metamodell. Während bei dem Metamodell mit Fragen gearbeitet wird, wird beim Miltonmodell mit Hilfe von vager Sprache beim Klienten seine innere Tiefenstruktur aktiviert. Das Miltonmodell gibt die Möglichkeit, durch kunstvolle Sprachmuster, bei Menschen Trancen hervorzurufen und Zustände zu aktivieren, die zur Lösung ihrer Probleme beitragen.
So kann man zum Beispiel ganz allgemein davon sprechen dass "jeder Mensch bestimmte Erfahrungen in seinem Leben gemacht hat, die ihm gezeigt haben, dass Schwierigkeiten etwas sind, an dem man wachsen kann." Durch die allgemeine Formulierung ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Klient dieser Aussage seine eigene Bedeutung gibt und unbewusst oder bewusst nach solchen Erfahrungen sucht. Er füllt also die vage Sprache mit eigenen Informationen.

Ankern:

Das Ankermodell geht auf die klassische Konditionierung nach Pawlow zurück. So ist es möglich, einen bestimmten Reiz an eine Reaktion zu "ankern".
Ein typisches Beispiel wäre, dass der Gedanke an eine geliebte Person ein angenehmes Gefühl hervorruft. Die geliebte Person ist hier also ein Anker für ein angenehmes Gefühl und viele positive Erfahrungen, die mit dieser Person gemacht wurden. Bestimmte Probleme, wie zum Beispiel einige Formen von Phobien sind ebenfalls Anker. In diesem Fall ist beispielsweise eine Maus (bei einer Mäusephobie) ein Anker für einen unangenehmen Zustand. Mithilfe von Ankertechniken können bestehende Anker mit neuen Reaktionen verknüpft werden, so dass die Maus statt eines unangenehmen Zustand einen angenehmeren Zustand wie Entspannung hervorruft.

Timeline:

Vergangene Ereignisse können einen bleibenden Einfluss auf Menschen haben. Mit Hilfe von Timelinetechniken kann in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gearbeitet werden. Es können Prägungsereignisse, aufgrund derer Menschen ungünstige Verhaltensweisen oder Überzeugungen gelernt haben, ressourcevoll neu erlebt werden. So ändert sich die Bewertung der Situation und die ungünstigen Verhaltensweisen und Überzeugungen werden durch hilfreiche ersetzt. Auch zukünftige Situationen, die in der Gegenwart bereits als unangenehm erlebt werden, können mit diesen Techniken bearbeitet werden.

Submodalitäten:

Submodalitäten beschreiben die Art und Weise, wie ein Mensch seine inneren Vorstellungen erlebt. NLP geht davon aus, dass nicht der Inhalt der inneren Vorstellungen entscheidend für den Zustand des Menschen ist, sondern die Darstellungsweise.
Ein Beispiel: Viele Menschen haben einen sogenannten inneren Kritiker. Was er sagt, ist jedoch nicht so entscheidend. Entscheidend ist, wie er es sagt. Eine schreiende, nahe Stimme, die einen beschimpft, hat einen deutlich anderen Einfluss, als wenn die gleichen Worte aus einiger Entfernung von einer Mickey Maus Stimme gesagt werden. Die Arbeit mit Submodalitäten können sehr weitreichend sein, so dass auch hinderliche Überzeugungen, Motivation oder unangenehme Zustände verändert werden können.

Persönlichkeitsteile:

Bei der Arbeit mit Persönlichkeitsteilen, geht man davon aus, dass für Emotionen und Verhaltensweisen Teilpersönlichkeiten von uns verantwortlich sind. Diese Teilpersönlichkeiten weisen ähnliche Eigenschaften wie Personen auf. Man kann mit ihnen kommunizieren, verhandeln und alternative Verhaltensweisen finden, wie sie ihr Anliegen umsetzen können.
In einigen Fällen ist die Beziehung zu einem Persönlichkeitsanteil über lange Zeit sehr belastet, so dass hier Versöhnungsarbeit sehr fruchtbar ist und häufig in einer Reintegration dieses Anteils endet. Alle Persönlichkeitsanteile ressourcevoll und ohne Konflikte zu erleben, kann starke Auswirkungen auf die Ausstrahlung, den Zustand und das Verhalten einer Person haben.

Was ist NLP? Fazit

Was ist nun NLP? NLP ist ein Modell, das sich konstant weiterentwickelt. Es bietet eine Fülle von hochwirksamen Techniken, die relevant für Kommunikation und Veränderungsarbeit sind. Es wird mittlerweile von verschiedensten Berufsgruppen genutzt: Coaches, Therapeuten, Heilpraktiker, Ärzte, Trainer, Führungskräfte, Berater und viele weitere nutzen NLP zur Verbesserung ihrer Kommunikationsfähigkeiten und zielgerichteten Veränderungsarbeit. NLP ist eines der gefragtesten Seminarkonzepte auf dem Weiterbildungsmarkt, sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich.
Der NLP Practitioner ist der Basiskurs, um in die Welt des NLP einzusteigen. Hier werden die Grundtechniken des NLP vermittelt und in praktischen Übungen erfahren. Der NLP Master baut auf dem NLP Practitioner auf und beinhaltet weiterführende Techniken des NLP.